Frauen in der Kirche

Prof. Dr. Gisela Muschiol, Vorsitzende des Hildegardis-Vereins

„Bildung verleiht Flügel! Mit die­ser Gewissheit haben die Grün­derinnen des Hildegardis-Vereins 1907 einen Verein ins Leben geru­fen, um katholische studierende Frauen zu fördern. Am Anfang standen pragmatische und indi­viduelle Unterstützungsansätze: zinslose Studiendarlehen, Mit­tagstisch, Bücherspenden.

Heute ist der Hildegardis-Verein ein Netzwerk, das Gene­rationen und Fachdisziplinen übergreift. Im Laufe der Ge­schichte hat der Verein seine Förderinstrumente immer wieder an die Bedürfnisse der Zeit angepasst – Bau von Studentinnenwohnheimen, Unterstützung für vertrie­bene Studentinnen, Familienstipendien für studierende Mütter waren unter den neuen Ideen. Seit einigen Jah­ren gehören Mentoring-Programme zum festen Ange­bot. So hat der Hildegardis-Verein 2014 den deutschen Bischöfen ein Konzept für ein Mentoring-Programm vorgelegt, das auf eine Steigerung des Anteils von Frau­en in kirchlichen Führungspositionen zielt. Wir freuen uns, dass die Deutsche Bischofskonferenz das Programm empfohlen hat. Es dient als Baustein zur Umsetzung der Ziele der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz „Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche“ anlässlich der Frühjahrs- Vollversammlung 2013.

Es ist ein ermutigendes Zeichen, daß sich 14 deutsche Bi­stümer mit insgesamt 40 Tandems an dem Programm be­teiligen. Insgesamt 2 Mentoring-Zyklen wird es bis zum Jahr 2018 geben; die erste Gruppe startet mit einer Auftaktver­anstaltung im Juni 2016 in Köln und feiert ihren Abschluss im Juni 2017 in München.

Gespannt blicken wir auf die nächsten Jahre im Projekt: Wir greifen damit die drängende Aufgabe einer auf Frauen und Männer blickenden Personal- und Organisationsent­wicklung auf, wollen für den Arbeitsplatz Kirche insgesamt werben und Nachwuchsförderung ermöglichen. Die Teil­nehmerinnen und Teilnehmer werden sich dabei mit Vor­bildern auseinandersetzen und ihre eigenen Stärken aus­bauen. Dies ist uns im Hildegardis-Vereins ein besonderes Anliegen: Alle unsere Programme arbeiten stärkenorien­tiert und wollen dazu beitragen, Potenziale zu entwickeln.“

Auszug aus der Erklärung zum Abschluss des Studientages "Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im dienst und Leben der Kirche", Deutsche Bischofskonferenz, Februar 2013

„Im Anschluss an diesen Studientag verpflichten wir uns, Frauen noch stärker bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung zu fordern, die allen Christen für das kirchliche Leben aufgetragen ist.“

 „Die Kirche kann es sich nicht leisten, auf die Kompetenzen und Charismen von Frauen zu verzichten.“

„Der derzeitige Anteil von Frauen an den Leitungsaufgaben in den Ordinariaten und Generalvikariaten von bis zu 19 Prozent weist in eine gute Richtung, ist aber noch nicht hinreichend. Wir werden daher verstärkt nach Möglichkeiten suchen, den Anteil von Frauen in Leitungspositionen weiter zu erhöhen. Die Entwicklungen in diesem Bereich werden wir in fünf Jahren erneut prüfen.“

Bischof Dr. Franz-Josef Bode

„Der Hildegardis-Verein will mit dem Mentoring-Programm zur Umsetzung der Trierer Erklärung der Bischöfe vom 21. Februar 2013 beitragen.

Mentoring ist eine vielfach erprobte Methode, gerade auch Frauen auf dem Weg in eine leitende Aufgabe zu beraten und zu unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass es immer schwieriger wird, bei Stellenbesetzungen auf Leitungsebene auf eine größere Anzahl an qualifizierten Bewerber/innen zurückgreifen zu können. Hier setzt das Mentoring des katholischen Hildegardis-Vereins an, der ein erfahrener Anbieter dieser Programme ist und dafür bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.“

Dr. Andrea Qualbrink, Prozessbegleiterin

Die deutschen (Erz-)Bistümer wollen mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Kir­chenrechtlich stehen Frauen zahlreiche Führungspositionen offen: in Ordinariaten/ Generalvikariaten, im Bereich Bildung und For­schung (Akademien, Schulen, Universitätsfa­kultäten/Lehrstühle, Familienbildungsstätten etc.), im sozialkaritativen Bereich, im Bereich der Medien, der Verbände, in der Gemeinde-und Kategorialseelsorge und in Gremien der Mitwirkung auf unterschiedlichen Ebenen.

Bislang jedoch sind Frauen in fast allen Berei­chen in leitenden Positionen unterrepräsen­tiert. Dies zeigen deutlich die Erhebungen der Deutschen Bischofskonferenz „Frauen in Leitungspositionen in den Generalvikariaten/ Ordinariaten der deutschen (Erz-)Bistümer“ aus dem Jahr 2013, die Studie des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) „Frau­en in Leitungspositionen im ZdK, in den Diözesanräten und in den Organisationen der Arbeits­gemeinschaft der katholischen Organisatio­nen Deutschlands“ aus dem Jahr 2014 sowie die Auswertungen der Trägerstrukturerhe­bungen des Deutschen Caritasverbandes (DCV) (ergänzt um die Studie „Frauen in Füh­rungspositionen der verbandlichen Caritas“ aus dem Jahr 2013).

Mit den verschiedenen Erhebungen liegt eine aussagekräftige Ist-Analyse der zah­lenmäßigen Beteiligung von Frauen in Füh­rungspositionen in der katholischen Kirche Deutschlands vor. Im Blick auf die Gründe für die Unterrepräsentanz und Handlungsemp­fehlungen kann auf zahlreiche sozialwissen­schaftliche Studien, die genannte Untersu­chung des Deutschen Caritas-Verbandes und wenige weitere, auf den Kontext der katholischen Kirche bezogene Studien verwiesen werden.

Um „den Anteil von Frauen in Leitungsposi­tionen weiter zu erhöhen“, sind Maßnahmen sowohl von der Basis („bottom-up“) wie auch von der Spitze („top-down“) aus notwendig. Als erprobtes Personalentwicklungsinstru­ment für den beruflichen Aufstieg von Frauen haben sich Mentoring-Programme erwiesen. Auf dem Hintergrund langjähriger Expertise und Erfahrung mit der Methode des Men­torings hat der Hildegardis-Verein das Pro­gramm „Kirche im Mentoring – Frauen stei­gen auf“ entwickelt.